Wasservorrat für den Notfall: so sind Sie richtig vorbereitet

Wasser ist das wichtigste Gut in jeder Notlage. Ein Mensch kann wochenlang ohne vieles auskommen — ohne Wasser nur wenige Tage. In Deutschland kommt Trinkwasser normalerweise zuverlässig aus der Leitung. Bei einem großflächigen Stromausfall, einer technischen Störung oder einer Verunreinigung kann diese Versorgung jedoch stocken oder ausfallen, denn Pumpen und Aufbereitung brauchen Elektrizität. Ein kleiner Wasservorrat im Haus kostet wenig Aufwand und verschafft Ihnen in solchen Lagen wertvolle Zeit. Diese Seite erklärt, wie Sie Wasser sinnvoll bevorraten, lagern und im Notfall aufbereiten.
Wie viel Wasser pro Person und Tag?
Als Faustregel für die Notfallbevorratung gilt im deutschsprachigen Raum: Planen Sie etwa zwei Liter Trinkwasser pro Person und Tag für das Trinken und Kochen ein — bei Hitze, körperlicher Anstrengung oder für Kranke, Stillende und Kleinkinder mehr. Für Körperpflege, Toilettenspülung und Geschirr wird deutlich mehr Wasser benötigt, das nicht Trinkwasserqualität haben muss. Deshalb lohnt es sich, zusätzlich Brauchwasser in größeren Behältern (etwa Kanistern oder faltbaren Behältern) zu lagern oder andere Wasserquellen im und ums Haus zu kennen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt, Vorräte für mehrere Tage anzulegen. Konkrete Mengenangaben und Listen finden Sie auf unserer Übersichtsseite Krisenvorsorge: BBK-Checklisten.
Wasser richtig lagern
Für den Trinkwasservorrat gilt: sauber, verschlossen, kühl und dunkel. Bewährt haben sich:
- Glasflaschen und originalverpacktes Mineralwasser: am unkompliziertesten, da Herstellerangaben zur Haltbarkeit gelten. Regelmäßig prüfen und rechtzeitig verbrauchen beziehungsweise austauschen.
- Lebensmittelechte Kunststoffkanister: als lebensmittelecht gekennzeichnete Behälter mit dichtem Verschluss, vor der ersten Befüllung gründlich reinigen.
- Faltbare Wassertanks: platzsparend im Leerzustand, lassen sich vor einem erwarteten Engpass (etwa bei Sturmwarnungen) schnell befüllen.
Befüllen Sie Behälter mit frischem Leitungswasser und lagern Sie sie kühl, dunkel und frostfrei. Wechseln Sie den Vorrat regelmäßig — etwa im Rahmen des normalen Verbrauchs —, damit das Wasser immer frisch bleibt. Beschriften Sie Behälter mit dem Befüllungsdatum.
Wasser haltbar machen
In dicht verschlossenen, sauberen Behältern hält Leitungswasser länger als viele denken — trotzdem sinkt die Qualität mit der Zeit. Wer länger lagern möchte, kann auf abgepacktes Wasser in Glas zurückgreifen, das von Natur aus länger haltbar ist. Wichtig ist, den Vorrat zu rotieren und bei Trübung, Geruch oder Geschmacksveränderung nicht mehr als Trinkwasser zu verwenden. Ein zusätzlicher Vorrat an Wasserfiltern oder Mitteln zur Trinkwasserdesinfektion (etwa aus dem Outdoor-Bedarf) erhöht die Sicherheit.
Wasser auffangen: Quellen im und ums Haus
Wenn der Vorrat zur Neige geht, gibt es mehrere Anlaufstellen für Brauch- und Trinkwasser:
- Warmwasserspeicher: enthält je nach Anlage einige Liter Wasser, das in der Regel Trinkwasserqualität hat.
- Spülkasten der Toilette: das Wasser im Kasten (nicht in der Schüssel) ist in der Regel Trinkwasserqualität, solange keine Reinigungstabletten darin liegen.
- Regenwasser: lässt sich mit Regentonnen oder ausgelegten Planen auffangen. Regenwasser ist kein Trinkwasser, kann aber zum Spülen, Putzen oder nach Aufbereitung genutzt werden.
- Natürliche Gewässer: Bäche, Flüsse und Seen sind eine mögliche Quelle — das Wasser muss vor dem Trinken immer aufbereitet werden.
Trinkwasser aufbereiten: bekannte Verfahren
Wasser aus unsicheren Quellen sollte vor dem Trinken immer aufbereitet werden. Die wichtigsten, allgemein empfohlenen Verfahren:
- Abkochen: Wasser sprudelnd kochen und vor dem Abfüllen etwas abkühlen lassen. Bei Trübung vorher filtern, etwa durch einen Kaffeefilter oder ein sauberes Tuch. Abkochen ist die einfachste und zuverlässigste Methode, beseitigt jedoch keine chemischen Verunreinigungen.
- Filtration: Wasserfilter aus dem Outdoor-Bereich (etwa Keramik- oder Hohlfaserfilter) entfernen Schwebstoffe und Krankheitserreger. Achtung: Nicht jeder Filter entfernt Viren oder Chemikalien — Herstellerangaben beachten.
- Desinfektion: Bei Wasserdesinfektionstabletten oder Chlorpräparaten aus dem Outdoor-Fachhandel gelten die Herstellerhinweise zu Dosierung und Einwirkzeit. Diese Mittel sind für klares Wasser gedacht; trübes Wasser vorher filtern.
Wichtig ist immer: Erst klären (filtern), dann desinfizieren oder abkochen. Wasser aus stark verunreinigten Quellen, etwa nach Hochwasser mit möglicher Chemikalienbelastung, kann durch diese Verfahren nicht sicher trinkbar gemacht werden.
Sparsam mit Wasser umgehen
In einer Notlage zählt jeder Liter. Kochen mit Deckel, Waschen statt Vollbad, Wasser beim Zähneputzen abstellen und die Toilettenspülung reduzieren sparen viel. Wer Brauchwasser in einem Eimer mit Schöpfbecher neben der Toilette bereitstellt, ist unabhängig von der Spülung.
Wissen für den Ernstfall offline verfügbar machen
Aufbereitungsanleitungen, Überlebenshandbücher und Nachschlagewerke helfen nur, wenn sie auch ohne Internet verfügbar sind. Ein umfassendes Offline-Handbuch finden Sie in unserer Zusammenstellung Survival-Handbuch offline nutzen — ein sinnvoller Begleiter neben jedem Wasservorrat.
Besondere Situationen: Hitze, Winter, Kinder
Der Wasserbedarf schwankt stark mit den Umständen. Bei großer Hitze, körperlicher Arbeit, Fieber oder beim Stillen steigt der Trinkbedarf deutlich. Kleinkinder und ältere Menschen trinken oft zu wenig — hier sollten Angehörige aktiv ans Trinken erinnern. Im Winter dagegen kann frierendes Wasser zum Problem werden: Lagern Sie einen Teil des Vorrats frostfrei in der Wohnung, nicht nur im kalten Keller oder in der Garage. Faltbehälter aus weichem Kunststoff können beim Frieren aufreißen; Glasflaschen platzen. Ein zweiter, unabhängiger Lagerort für einen Teil des Vorrats ist daher eine sinnvolle Vorsorge.
Hygiene, wenn die Leitung trocken ist
Fällt die Wasserversorgung aus, wird schnell klar, wie viel Wasser Alltagshandlungen verschlingen. Planen Sie Alternativen ein: Feuchttücher und Desinfektionsgel für die Hände, Einweghandschuhe, Müllbeutel für Abfälle, ein Eimer mit Deckel als Behelfstoilette sowie Hygienebeutel. Geschirr lässt sich mit wenig Wasser spülen, wenn man zuerst mit Papier auswischt. Auch ein Vorrat an Papier- und Geschirrtüchern reduziert den Wasserbedarf, weil weniger gespült werden muss. Denken Sie außerdem daran, dass auch Haustiere Trinkwasser brauchen.